Was mir dieser Wahlkampf über Politik gezeigt hat

Melina Grigoriadis

Die Wahl rückt näher und ich möchte einen kleinen Einblick in meine bisherigen Wahlkampf-Erfahrung geben.

Für mich ist dieser Wahlkampf etwas Besonderes, nicht nur weil ich als Bürgermeisterin-Kandidatin mitten im Geschehen stehe, sondern auch weil ich schon viel gelernt habe. Unsere Infostände waren für mich ein Highlight: viele Gespräche, viele spannende Begegnungen, viel ehrlicher Austausch. Unser Spitzenkandidat Roland Sperling war dabei stets an meiner Seite. Und während er seit Jahrzehnten Infostände macht und nie wegen seines Aussehens kommentiert wird, passiert mir das regelmäßig. Das zeigt, wie unterschiedlich Frauen und Männer im politischen Alltag behandelt werden.

Auf Podiumsdiskussionen konnte ich hören, was andere Kandidierende so fordern und oft auch, was sie lieber verschweigen. Da fällt auf, wer gut darin ist, um den heißen Brei herumzureden, und wer wirklich aus dem Leben der Menschen erzählen kann. Ich weiß, wie es ist, mit knappen Finanzen zu leben, keinen Urlaub machen zu können oder mehrere Jobs stemmen zu müssen. Andere erzählen dagegen vom Snowboarden, vom Reisemobil oder vom Klettern in Vancouver.

Besonders bezeichnend war auch eine Szene: Ein Kandidat versicherte mir auf Nachfrage glaubhaft, die Seite neuss.de könne man mit nur einem Klick in alle Sprachen übersetzen. Er wollte es mir anschließend demonstrieren, konnte die Funktion aber selbst nicht finden und beließ es dann dabei.

Erstaunlich ist für mich auch, dass sich Menschen dort als feministisch bezeichnen, um sich dann gegen Frauenquoten zu stellen. Nach dem Motto: Frauen hätten doch längst alle Chancen, schließlich stünde ja eine Frau auf der Bühne. Feminismus reduziert auf die bloße Existenz einer Kandidatin ist schon eine sportliche Verdrehung.

Und dann noch dieser Widerspruch: Alle auf dem Podium betonen, sie seien gegen eine rechte Politik. Gleichzeitig haben aber viele von ihnen für die Einführung der Bezahlkarte gestimmt, ein Instrument, das Geflüchtete entrechtet und stigmatisiert. Wie passt das zusammen?

 

Ich wurde auf einer Podiumsdiskussion gefragt, wie mich Freundinnen und Freunde beschreiben würden. Meine spontane Antwort lautete: „humorvoll, lustig, komisch“. Das klingt leicht daher gesagt, aber es zeigt auch, dass Politik nicht immer nur steif und trocken sein muss.

Ich nehme meine Kandidatur sehr ernst, aber ich nehme mich selbst nicht wichtiger als die Themen, um die es geht: soziale Gerechtigkeit, Feminismus, Solidarität.

 

Damit diese Themen auch im Rathaus eine Stimme haben, benötigen wir am 14.9. Eure Stimme.

Ich möchte beweisen, dass Politik auch anders geht.